Paul Spiess, Pionier des Frauenhandballs

Spricht man vom Brühler Frauenhandball, ja vom Schweizer Frauenhandball allgemein, so ist ein Name nicht wegzudenken: Paul Spiess. Hier ein Kurzabriss von Pauls Laufbahn im LC Brühl:

  • 1950 beteiligte sich Paul an einem Handballspiel der damaligen Leichtathletik-Sektion Brühl (LAS) auf dem Grosssfeld
  • 1951 erfolgte Pauls Eintritt in die LAS des SC Brühl
  • 1952 – 61 war er Spielertrainer des Herrenhandballteams und zugleich Trainer des Damenhandballclubs St. Gallen (DHC)
  • 1960 – 65 war er Vizepräsident
  • 1965 – 70 hatte er das Amt des Präsidenten inne
  • 1970 wurde Paul zum Ehrenmitglied gewählt
  • 1969 – 1979 gewann er als Trainer der ersten Damenmannschaft 11mal den Meistertitel
  • 1978 – 86 war er Präsident der Handballabteilung und zugleich Trainer von Juniorinnenteams
  • 1982 – 86 war er Mitglied des Zentralvorstandes des Schweizerischen Handballverbandes (SHV)
  • 1986 wird er zum Ehrenmitglied des SHV

In den verschiedenen Funktionen, die Paul ausübte, hat er immer wieder wegweisende Projekte initiert, wie z.B. das Klubblatt Kontakt, die Gönnervereinigung, de schnällscht Sanggaller und den LCB-Cup.

Paul Spiess war nicht nur der eigentliche Vater des Brühler Frauenhandballs, sondern des Schweizer Frauenhandballs generell. Was 1952 als Nebenjob mit dem DHC St. Gallen begann, sollte ihn bis zum Lebensende nicht mehr loslassen. In dieser Zeit wuchs die Zahl handballspielender Mädchen und Frauen von 100 auf fast 6000 an. Für Paul Spiess waren schon damals unkonventionelle Lösungen kein Problem. So spielte er z.B. mit der ersten Mannschaft eine Saison lang mit einer Spezialbewilligung an der südbadischen Kleinfeldmeisterschaft mit. 1968 wurde dann auf seine Initiative hin die erste inoffizelle Schweizer Meisterschaft durchgeführt. Ab jetzt nannte sich das Team LC Brühl. In der ersten Mannschaft spielten fast ausschiesslich Leichtathletinnen. Paul setzte auf die gute körperliche Ausbildung und vor allem auch auf den Brühler Geist.

Die Erfolge liessen nicht lange auf sich warten. Meistertitel reihte sich an Meistertitel. Doch auch in den Zeiten der grössten Erfolge blieb Paul immer realistisch. Ihm war bewusst, dass Erfolge auch zur Gewohnheit werden können und Gewohnheit stumpft ja bekanntlich ab. Deshalb suchte er immer wieder nach neuen Wegen, um die Spielerinnen zu motivieren.

1986 wurde auf Pauls Initiative der LCB-Cup, das internationale Frauenhandballturnier zwischen Weihnachten und Neujahr, ins Leben gerufen.

Paul galt aber auch als Initiator der Frauennationalmannschaft, die 1971 ihre ersten Spiele austrug. Trotz Schwierigkeiten und Rückschlägen liess er sich nie vom Weg abbringen, den Frauenhandball konsequent zur fördern.

Auch der Begriff des «Brühler-Geistes» ist untrennbar mit Paul verbunden. «Brühler-Geist» ist jene Haltung, jene Sportphilosophie, die von einem tiefen Menschenverständnis ausgeht. Kernpunkt ist dabei die Erkenntnis, dass der Mensch, insbesondere die Jungen, ihr Leistungspotential nur optimal entfalten können, wenn sie in eine solidarische Gemeinschaft eingebunden sind. Die sportliche Leistung ist dabei ein wichtiger Motivator. Der Sport allein ist aber nie in der Lage, ein Leben auszufüllen. Ebenso wichtig wie nackte Zahlen und Erfolgsmeldungen sind zwischenmenschliche Kontakte, ist der Mensch, der nicht zu kurz kommen darf.

Der LC Brühl Handball stände ohne Paul Spiess , der im Juni 2001 verstorben ist, nicht da, wo er heute noch steht, nämlich an der Spitze des Schweizer Frauenhandballs.