Heute bestreiten drei Ostschweizer U18-Handball-Nationalspielerinnen ihre erste Partie an den Jugendspielen.

(Sarah Fäh, veröffentlicht im St. Galler Tagblatt am 22. Juli 2019)

Die Olympischen Spiele sind der Traum vieler Sportler. Einmal das Gefühl im Olympischen Dorf erleben und für sein Land auflaufen. Drei junge Ostschweizer Handballerinnen kommen jenem Traum in dieser Woche ein wenig näher. Zusammen mit dem U18-Nationalteam spielen Katarina Simova, Malin Altherr und Tabea Schmid in Baku am European Youth Olympic Festival, kurz Eyof, das vom 21. Juli bis 28. Juli stattfindet. Dieses Turnier ist ein Anlass, an dem sich 14- bis 18-jährige europäische Athleten in zehn verschiedenen Sportarten messen und dabei das erste Mal mit dem Konzept der Olympischen Spiele in Berührung kommen. Die Handballerinnen haben sich im vergangenen Jahr mit dem vierten Rang an der EM in Göteborg als erstes Schweizer Frauenhandballteam überhaupt für die Eyof qualifiziert.

Gegen den Gastgeber und den Europameister
Seit Simova, Altherr und Schmid sechsjährig sind, kennen sich die Spielerinnen des LC Brühl. Erst spielten sie noch gegeneinander, doch mittlerweile laufen sie für den St.Galler Verein und das Nationalteam gemeinsam auf. Alle drei Ostschweizerinnen waren in Göteborg bei der EM dabei. «Es war das beste Turnier, das wir je gespielt haben», sagt Altherr. Die Schweiz verlor damals im Spiel um den dritten Rang gegen Rumänien. Dass sie sich mit dem vierten Platz an der EM für die Eyof qualifiziert haben, realisierte zu jenem Zeitpunkt keine der St.Gallerinnen. Zu gross war die Enttäuschung über die verlorene Partie und die verpasste Medaille. Zuvor bezwangen sie jedoch namhafte Gegner wie Russland oder die Niederlande. Zugetraut hatten ihnen diesen Exploit nur wenige: «Fast niemand hat damit gerechnet, dass wir es so weit schaffen, da wir in der Aussenseiterrolle waren», sagt Simova. In dieser Rolle fühlen sich die drei Brühlerinnen aber wohl. «Wenn du als schlechter gesetztes Team in eine Partie gehst, hast du weniger Druck, kannst alles geben, und wenn es zum Sieg reicht, ist es umso schöner», so Schmid. An den Eyof trifft die Schweiz in ihrer Gruppe auf Gastgeber Aserbaidschan, Tschechien und Ungarn. Laut Nationaltrainer Jürgen Fleischmann eine machbare Aufgabe: «Der vierte Rang ist sicher realistisch.» Gegen Aserbaidschan muss ein Sieg her, da sind sich Spielerinnen und Trainer einig. Tschechien bezwingen sei möglich. Damit wären der Halbfinal und der angestrebte vierte Platz so gut wie garantiert. Gegen den amtierenden Europameister Ungarn ist die Schweiz dann eher der Aussenseiter – was ja kein Nachteil sein muss. Die Ausgangslagen der drei Spielerinnen vor den Eyof sind denkbar unterschiedlich. Die 16-jährige Altherr kam vergangene Saison zu ihren ersten NLA-Einsätzen beim LC Brühl und lief auch schon für das A-Nationalteam auf. Mit 48 Toren bei Brühl und deren sieben für die Schweiz überzeugte sie.

Angebot, Verletzung und Entwicklung
Aufgrund ihrer Leistungen erhielt Altherr schon Angebote aus der deutschen Bundesliga, die sie jedoch ablehnte. Es sei einfach zu früh gewesen. Von ihr wird sicherlich am meisten erwartet: «Malin soll ihre spielerische Erfahrung ins Team einbringen und als Führungsspielerin vorangehen», so Trainer Fleischmann. Simova kommt aus einer schwierigen Saison. Nach einer Schulterverletzung im ersten Meisterschaftsspiel, die eine Operation nach sich zog, bestritt die 17-Jährige nur wenige Partien gegen Ende der Saison. Dies sei jedoch sehr wichtig gewesen, so Fleischmann, damit sie nicht komplett ohne Spielpraxis mit dem Team mitreist. Simova sieht ihre aktuelle Form realistisch. Sie fühle sich wohl auf dem Feld, so die Tochter der früheren St.-Otmar- Spielerin Monika Simova. Die Konkurrenz auf ihrer Position habe aber mehr Spielpraxis. Dennoch: «Wenn ich meine Chance bekomme, nutze ich sie und mache das Beste draus.» Schmid sei in der vergangenen Saison aus dem Schatten der beiden anderen gekommen, so Fleischmann. Vielfach unterschätzt, ist sie im vergangenen Jahr zur Führungsspielerin in der Abwehr gereift und dort mittlerweile nicht mehr wegzudenken – mit erst 15 Jahren. Laut Fleischmann beeindruckt Schmid als enorme Kämpferin. Das wird im Gespräch hinsichtlich der persönlichen Ziele für die Eyof ebenfalls deutlich: «Definitiv nie aufgeben. Wenn es mal nicht so läuft, kannst du sicher sein, dass es auch nicht besser laufen wird, wenn du aufgibst.»