Neustart in St. Gallen für Julia Forizs

Im Sommer 2020 wechselte Julia Forizs aus der österreichischen Hauptstadt Wien nach St. Gallen. Im linken Rückraum sollte die wurfstarke Ungarin für Durchschlagskraft sorgen und Erfolge mit dem LC Brühl feiern. Nach nur vier Einsätzen im Dress der Brühlerinnen verletzte sich die heute 23-jährige schwer am Knie. Es folgte eine Tortur von mehr als einem Jahr mit einem harten Kampf, um aufs Spielfeld zurückzukehren. Vor dem Cupwochenende in Muotathal (6./7. November) steht einem Einsatz von Julia Forizs nun nichts mehr im Weg. Im Interview blickt sie auf das vergangene Jahr zurück.

Nach mehr als einem Jahr Verletzungspause stehst du vor der Rückkehr ins Team und willst am Wochenende mitwirken, um das Viertelfinale im Cup zu erreichen. Gib uns doch mal einen Einblick in deine Gefühlswelt so kurz vor dem Comeback.
Julia Forizs: „Du hast das richtig gesagt, mehr als ein Jahr. Um genaue zu sein werden es am Samstag 415 Tage seit der Operation sein. Wenn man das ausspricht, ist es einfach extrem viel. Ich kann meine Gefühle kaum beschreiben, ich freue mich so sehr, dass ich mit meinen Mädels auf dem Feld sein kann. Es wird sicher ein sehr emotionaler Tag für mich.“

Nach der monatelanger Pause wirst du sicher Schritt für Schritt an dein Leistungsvermögen herangeführt werden. Wo stehst du hierbei aktuell, was klappt schon gut und woran musst du noch arbeiten?
Julia Forizs: „Natürlich, nach so einer langen Pause kann man schwer eine überragende Leistung bringen. Meine Schnelligkeit und Beinarbeit sind noch nicht auf dem Niveau, auf dem ich sein möchte, aber es kommt schon gut. Es ist auch sehr wichtig, dass ich meine Deckung möglichst schnell verbessere.“

Was hast du in den letzten Monaten gelernt oder erfahren, wovon du überrascht warst?
Julia Forizs: „Ich habe sehr viel gelernt. Diejenigen, die mich sehr gut kennen, wissen, dass ich eine Spielerin bin, die bis zu dieser Verletzung nie auf den eigenen Körper gehört hat. Also ich habe oft mit Schmerzen und mit Schmerzmittel gespielt. Dies hat sich verändert: ich höre mehr auf meinen Körper und bin mir gegenüber geduldiger geworden. Ausserdem habe ich gelernt, wie man mit Kritik umgeht. Bis jetzt konnte ich das nicht so gut annehmen. Eines ist sicher, diese 415 Tagen waren bis jetzt die  Schwierigsten in meiner Karriere. Aber ab jetzt wird alles gut!“

Wie schwer war es, die Motivation und den Fokus zu behalten und wer oder was hat dir dabei geholfen?
Julia Forizs: „Wie gesagt, es war eine extrem lange Zeit ohne Handball. Natürlich gab es Tage, an dem ich schon daran gedacht habe, ich will nicht mehr, mir reicht das Ganze. Ich kann mich an ersten Stelle bei meinen Eltern bedanken, die mich immer, auch aus 700 Kilometer Entfernung, unterstützt haben. Natürlich haben mich auch meine Kolleginnen unterstützt und bin mir sicher, dass Jede von ihnen sich für mein erstes Tor freuen wird. Noch eine Person muss ich unbedingt erwähnen: mein Rehabilitationstrainer – Goran Cvetkovic. Ich habe fast zwölf Monaten bei ihm in seinem Fitness verbracht. Er hat mich nicht nur mit seinen Trainings, sondern auch mental sehr viel unterstützt. Gleich am Anfang hat er mir einen tollen Satz gesagt: „Pause machen wir nach der Karriere, also los geht’s!“ Ich hoffe, dass es noch viele Jahre dauert, bis ich meine Karriere beende und eine Pause machen werde.“

Cupwochenende: 6./7. November

Mit ihrem Team tritt Julia Forizs am Wochenende im Cup in Muotathal an. Am Samstag, 6. November, treffen die Brühlerinnen im Sechzehntelfinal auf die SG ATV/KV Basel aus der 1. Liga. Anwurf ist um 19 Uhr. Unmittelbar davor duellieren sich in der Zentralschweiz die Gastgeberinnen der SG Muotathal/Mythen-Shooters (1. Liga) mit dem HSC Kreuzlingen. Die beiden Gewinnerteams der Samstagsspiele messen sich am Sonntag, 7. November, im Achtelfinal um das Ticket für die Runde der Letzten Acht. Es wird erwartet, dass es um 17 Uhr dann zum prestigeträchtigen SPL1-Duell zwischen Brühl und Kreuzlingen kommt.

Auch die SPL2 im Cup aktiv

Die Neuordnung des Mobiliar Schweizer Cup präsentiert acht 4er-Turniere durch die die acht Viertelfinalisten ermittelt werden. Auch die zweite Equipe des LC Brühl mischt dabei noch mit. Das Team von Monika Simova und Beata Kulscar gastiert zeitgleich wie das Fanionteam in Zürich und trifft beim Turnier des TV Unterstrass auf die Gastgeberinnen der SG Unterstrass/Rümlang aus der 2. Liga. Anwurf am Samstag ist um 17.30 Uhr. Gewinnen die Brühlerinnen ihr Duell, träfen sie am Sonntag um 16 Uhr in der Blumenfeld Sporthalle in Zürich auf den Gewinner des Duells HC Goldach-Rorschach (1. Liga) gegen HSG Leimental (SPL2).

Alle Spiele können im Matchcenter von handball.ch via Liveticker verfolgt werden.

Text: Matthias Schlageter, Bild: Leo Bösinger