Die St.Galler Handballerinnen verlieren den Supercup gegen Spono Nottwil 27:28.
(Fritz Bischoff, St. Galler Tagblatt, 31. August 2020)

Der LC Brühl verpasst es unter dem neuen Trainer Nicolaj Andersson, den Titel im Supercup zu verteidigen. Gegen Spono Nottwil verlieren die St.Gallerinnen mit 27:28. Die Brühlerinnen lagen während der gesamten Partie kein einziges Mal in Führung. Nur zweimal konnten sie einen Gleichstand erzwingen – beim 1:1 und beim 22:22. Das 22:22 in der 47. Minute hätte ein Wendepunkt sein können. Doch der LC Brühl vergab in den folgenden fünf Minuten drei Penaltys – zweimal durch Malin Altherr, die zuvor viermal vom Siebenmeterpunkt erfolgreich getroffen hatte, und einmal durch Kinga Gutkowska. Die Luzernerinnen liessen sich nicht zweimal bitten, nutzten die Schwächen ihrer Gegnerinnen und bauten ihren Vorsprung bis zum 26:24 vorentscheidend aus. Wohl versuchten die Titelverteidigerinnen, sich nochmals mit allen Kräften gegen die sich abzeichnende Niederlage zu stemmen, doch es blieb beim Versuch. Der Anschlusstreffer zum 27:28 durch Malin Altherr fiel wohl bereits 75 Sekunden vor Ablauf der Spielzeit, doch gelang kein weiterer Treffer mehr.

Brühl hat 15 Fehler zu verzeichnen
Dass die St.Gallerinnen am Ende die Pokalübergabe und Freudentänze von Spono enttäuscht von der Auswechselbank aus mit ansehen und schliesslich mit hängenden Köpfen die Halle verlassen mussten, liess sich einfach begründen. Wenn ein Team 15 Fehler zu verzeichnen hat und drei Penaltys nicht nutzen kann, ist ein Sieg kaum möglich. «Da es für mein Team das erste Spiel seit März war, hatte ich eine hohe Fehlerzahl erwartet, doch so hoch auch wieder nicht», sagte Nicolaj Andersson. Der Knackpunkt in der Partie war für ihn die unmittelbare Zeit nach dem 22:22. «Dass wir im Angriff nicht mehr skoren konnten, wäre verkraftbar gewesen, doch nicht, dass wir dem Gegner einfache Tore in 1:1-Situationen zugestanden.» Mangelnde Kompaktheit im Deckungsverhalten war bei Brühl schon früh auszumachen. Dass Spono nach dem 2:1 die Führung mit bis zu vier Treffern Differenz bis zum 22:22 behaupten konnte, lag nicht immer nur an seinem druckvollen und schnellen Offensivspiel. Einerseits waren es die sich öffnenden Räume in der Deckung der Ostschweizerinnen, welche die oft einfachen Torchancen ermöglichten. Anderseits agierten die Zentralschweizerinnen von der ersten Minute an in ihrer Defensive mit Härte und Aggressivität. «Wir hatten die Härte von Spono erwartet. Doch vor allem in der Anfangsphase erhöhte dies bei uns die Nervosität und Unsicherheit. Mit unserem neu formierten Team war es so nicht einfach, ins gewünschte Spiel zu finden», so Malin Altherr.

Brühl ist trotzdem wieder in Meisterkandidat
Doch der LC Brühl zeigte durchaus auf, dass er in der Saison 2020/2021 wieder ein Kandidat im Kampf um den Meistertitel sein wird. Die neu verpflichtete Kinga Gutkowska konnte die nach Deutschland abgewanderte Kerstin Kündig wohl noch nicht ganz vergessen machen, doch sie zeigte ihre Möglichkeiten als Spielgestalterin durchaus auf, und auch die übrigen Spielerinnen gefielen mit schnellen Angriffen und kämpferischem Abwehrverhalten.